Weckruf für Lengerich


Lengericher Grüne wollen gegen erweiterte Teuto-Abgrabung vorgehen

Zu klein für über 60 Interessenten am Thema Abgrabungen im Teutoburger Wald war der große Veranstaltungsraum im Lengericher Centralhof. Ulrich Weiß, Fraktionssprecher der Lengericher Grünen, hatte unter dem Titel „Fernblick statt Weitblick?“ den grünen Landtagsabgeordneten Norwich Rüße und den Kreistagsfraktionssprecher Helmut Fehr als Referenten sowie den grünen Direktkandidaten Ferdinand Blanke eingeladen. Verantwortlich für das große Bürgerinteresse waren die neuen Abgrabungspläne der Firmen Buzzi/Dyckerhoff und Calcis Lienen, ehemals Schencking. Beide Firmen haben bei der Bezirksregierung neue Abgrabungsgenehmigungen über eine Gesamtfläche von circa 54 ha beantragt, und zwar über 2017 hinaus für Calcis Lienen und über 2027 hinaus für Buzzi/Dyckerhoff. Am Hohner Berg würden im europarechtlich als besonders geschützt ausgewiesenen Fauna-Flora-Habitat (FFH) weitere circa 26 ha abgetragen, was der Größe von 36 Fußballfeldern entspricht.

Norwich Rüße hob in seinem Beitrag den hohen Schutz von FFH-Gebieten durch die Europäische Union heraus. Er stellte fest, dass die Bezirksregierung und der Regionalrat nicht das europäische Recht außer Acht lassen dürfen. Weiter versprach er, sich dafür einsetzen, die Änderung des Landschaftsgesetzes von 2008 durch die schwarz-gelbe Landesregierung, die die Interessen von Dyckerhoff stark begünstigt, wieder aufzuheben. Helmut Fehr assistierte ihm mit der Ankündigung, die grüne Regionalratsfraktion werde das Vorgehen der Bezirksregierung rechtlich überprüfen lassen.

Große Empörung kam im Publikum beim Aspekt der Öffentlichkeitsbeteiligung auf. Die Intransparenz des Verfahrens, das 2008 in einer Vereinbarung der schwarz-gelben Landesregierung mit Dyckerhoff auch die Naturschutzverbände außen vor ließ, wurde allgemein kritisiert. Bereits im Mai 2011 habe Dyckerhoff den Antrag gestellt und bis heute - 12 Monate später – wurde die Öffentlichkeit nicht informiert. Rüße bezeichnete es als „reine Lobbypolitik, die die Interessen von Anliegern und Naturschützern aushebelt“, und rief dazu auf, zwischen dem 2.5. und dem 9.7.2012 bei der Bezirksregierung Münster und beim Kreis die Möglichkeit zu Einwendungen zu nutzen.

Die Dringlichkeit des Handelns betonte Rainer Seidl vom Naturschutzverband ANTL: „Wenn der Kalkbuchenwald einmal weg ist, dann ist er weg. Dann gibt es kein Zurück!“ Er bekräftigte die Forderung, mit den Abgrabungen im Teutoburger Wald bis 2027 Schluss zu machen, und zeigte sich kompromisslos: „Das FFH-Gebiet ist für uns nicht verhandelbar!“, wofür er samt seiner Aufforderung „Weckt Lengerich auf!“ viel Beifall aus dem Publikum bekam.

Unterstützung für Bürger, die Einwendungen gegen die Abgrabungspläne erheben wollen, bot schließlich Sigrid Elling-Augé von der Bürgerinitiative Pro Teuto e.V. an und verwies auf die Internetseite www.pro-teuto.de des Vereins. Auch die Lengericher Grünen werden, wie Ulrich Weiß abschließend ankündigte, nach der Wahl eine Informationsveranstaltung zu den Einwendungsmöglichkeiten organisieren.